Von Schließfächern, die mich hassen und Winnie Pooh knuddeln…

Ich fang mal mit 9/11 an…

Ich hab damit gerechnet, dass der elfte September ein wirklich anstrengender und mit Schweigeminuten, Erzählungen vom elften September 2001 gespickter Tag sein würde. Ehrlich gesagt habe ich total vergessen, dass es tatsächlich der elfte September war und dass da ja was war… vor dreizehn Jahren.
Natürlich kann sich jeder ganz genau daran erinnern, wo er/ sie an jenem Morgen war, als die Nachricht über den Terroranschlag zu ihm/ihr drang. Alle außer mir. Denn ich war 3. Ehrlich gesagt habe ich soziemlich 10 Jahre (gefühlt! bitte nicht wörtlich nehmen) inn dem Glauben verbracht, dass das ganze tatsächlich zu meinen Lebzeiten geschehen ist. Ich weiß zwar nicht, wo ich am elften September war, aber ich kann mich sehr gut an das Gefühl erinnnern herauszufinden, dass es erst 2001 war… Und 2001 gar nicht sooo lange her ist.
Zurück zum 9/11/14: Ich habe von vielen Menschen gehört, dass jeder Lehrer erzähllt hat, wie das damals war. In meiner Schule war das Datum nach der morgendlichen Ansprache soziemlich vergessen. Wir haben die Flagge angeschaut und 10 Sekunden geschwiegen und das wars. Es hat sich allerdings wirklich merkwürdig angefühlt das Datum auf meine Tests zu schreiben…

 

Okay, jetzt zum wichtigen:

Heute bin ich genau einen Monat hier! Am 16. August kam ich am Flughafen in Muskegon an und seit dem 2. September gehe ich hier zur Schule. Ich habe ziemlich schnell herausgefunden, dass Geometrie viel zu einfach für einen deutschen Schüler ist (ich meine: manche meiner Mitschüler haben zum ersten mal einen Winkelmesser oder einen Zirkel benutzt 😮  ) also habe ich mich informiert, ob ich nicht vielleicht doch in einen Algebra 2 Kurs kann. Konnte ich nicht. Aber da ich soziemlich alles was in Algebra 2 dran kommt schon hatte hat sich meine Mathelehrerin nach einem Pre-Calculus Kurs umgesehen. Es gab einen in der sechsten Stunde und so bin ich am nächsten Tag zu meinem Guidance Counselor Mrs. Riley gegangen und habe meine Kurse verändert. Mein Schultag beginnt jetzt mit Englisch bei Mrs. Buboltz und endet mit Pre-Calculus bei Mr. Stucky. Für ein Mädchen wie mich (eine der außergewöhnlich unnormalen Personen, die Mathe von ganzem Herzen lieben) die beste Entscheidung der Welt! Wirklich erstaunt hat mich bei der ganzen Sache wie organisiert amerikanische High Schools sind. Jeder Klassenraum ist mit einem Computer, einem OHP (mit dem Computer verbunden) und einer Kamera, die zeigt was auf dem Lehrerpult passiert (ebenfalls mit dem OHP verbunden) ausgestattet. Ich musste weiterhin keine ganze Woche warten, bis mein neuer Stundenplan in Kraft tritt. Nein, ich bin aus Mrs. Rileys Büro sofort zu meiner neuen Englischklasse gegangen. Und meine beiden alten Lehrer haben sofort Bescheid gewusst; wurden via E-Mail informiert.

Also generell ist alles super. Ich verbringe meine Lunchpausen immernoch mit Hailey und/oder ihren Freunden, die langsam auch meine Freunde werden. Mit meinem Spind komm ich tatsächlich auch wieder klar. Er hatte mich ne Weile ganz furchtbar gehasst und sich jetzt dann doch entschieden, dass ich ziemlich cool bin. Mit anderen Worten: Hailey hat mir erklärt, was ich falsch mache. Ich kann mein Handy wieder benutzen, ich habe erste Eyeliner-Erfahrungen gemacht und das Footballteam meiner Schule hat tatsächlich ein Spiel gewonnen :O .

Alles ist super! Besser als super: seit gestern weiß ich, dass ich im Frühling vier Tage in Florida bin. Vier Tage in Orlando. Vier Tage in Disneyworld. Ich bin wirklich ein riesiger Disneyfan und es freut mich so ungemein meine Helden Mickey Maus und Winnie Pooh zu sehen und zu umarmen, dass ich mich frage, ob ich immernoch vier Jahre alt bin. Wenn ja, gut so!
In Orlando werden wir aber nicht nur mit Disneyfiguren chillen. Wir haben unter anderem einen Workshop, wo wir lernen werden besser mit unseren Instrumenten umzugehen und ich werde zumindest sechs Tage lang zu einem Teil der Marching Band.

 

Als ich mein Auslandsjahr geplant habe und in eine amerikanische High School Zukunft gesehen habe, hat es sich immer so anders angefühlt. Und jetzt bin ich hier. An einem der schönsten Orte der Welt. Für eine viel zu kurze Weile. Und es ist einfach genau wie immer. Klar, ich spreche hier englisch. Aber alle sind nett; alle sind an mir interessiert; und niemand ist von mir genervt! Wenn ich ein falsches Wort benutze oder etwas falsch ausspreche dann lacht mich niemand aus: Nein, alle finden es süß. Ich kann kaum zählen, wie oft ich gehört habe Menschen wünschten sich einen Akzent. Es ist schwierig im Kopf immer von Englisch auf Deutsch umzuschalten, wenn ich mit meiner Familie skype (was bisher noch nicht oft vorgekommen ist). Und gleichzeitig versuchen mit meiner Gastschwester zu sprechen? Natürlich kein Problem… Zumindest wenn Hailey deutsch sprechen würde.
Mein Leben geht weiter. Ich bin die gleiche Person, wenn auch kein bisschen schüchtern und anscheinend wesentlich interessanter als vorher. Aber ansonsten? Keine Veränderung; andere Menschen, andere Sprache, anderes Land. Und doch bleibt alles gleich.

Ich bin. Und dieses Jahr ist ein Teil von mir.

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